Hundeschule Schweinfurt von Katrin Abraham

Seit tausenden von Jahren leben Menschen und Hunde zusammen. Doch so wie sich unser Leben verändert hat, so hat sich auch unsere Beziehung zum Hund gewandelt. War er früher Helfer und Arbeitstier, so soll er heute Kumpel, Partner, Kind oder Kuscheltier sein. 

Doch für diese Rollen ist er nicht geboren. Denn er ist ein Hund! Und als solcher möchte und muss er auch behandelt werden. Als Hund möchte er ernst genommen werden mit all seinen Fähigkeiten. Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit und Lernfreude ist er gerne bereit, für Leckerli bestimmte Befehle auszuführen, das mag auch eine erfolgreiche Möglichkeit sein, ihm einiges Nützliches beizubringen. Diese Methoden werden in der Natur allerdings nicht angewendet. Unbestritten kann man einem Hund auf diese Weise Sitz und Platz und allerlei mehr beibringen, aber das Entscheidende bleibt auf der Strecke. 

Denn der Hund wünscht sich seiner Natur nach keinen gutgelaunten Futterspender, sondern ein Familienoberhaupt, das die Familie (sein Rudel) sicher führen kann. Sein hündischer Instinkt weiß schon von Welpe an, dass ein Sozialverband souveräne, erfahrene Elterntiere braucht, die für Sicherheit, Verlässlichkeit und das Überleben des Rudels bzw. einer Familie sorgen können. Erziehung hat auf natürliche Weise zehntausende von Jahren sehr erfolgreich stattgefunden, so dass Urvater Wolf bis in die heutige Zeit überlebt hat. Sein „kleiner Bruder“ Hund versteht diese natürliche Kommunikation ebenso und lernt dabei nicht nur Befehle, sondern auch Vertrauen.

Die Lebensbedingungen für Canis Lupus´ domestizierten Kollegen Hund haben sich gewaltig verändert, aber dessen innerstes Streben nach festen sozialen Strukturen, nach Klarheit und Verlässlichkeit sind geblieben. Erziehung ist gegenseitiger Respekt und Vertrauen. So werden Befehle befolgt, weil sie aus der Sicht des zu Erziehenden Sinn machen, weil sie das Bestehen des Rudels (oder der Familie) sichern und Verlässlichkeit bieten. Das Einhalten von Regeln gewährleistet das soziale Zusammenleben und ist darum notwendig, vor allem aus Hundesicht. Der Hund ist kein demokratisches Wesen, mit dem man diskutieren kann, das ist nicht seine Natur. Seine Natur ist auf klare, eindeutige Kommunikation und das Einhalten von Regeln ausgelegt. Findet er diese Umstände nicht vor, versucht er, sich seine eigenen Regeln zu schaffen, die zumindest er einhält. Darum zieht er IMMER an der Leine, darum bellt er IMMER wie verrückt, wenn es klingelt, darum führt er sich IMMER auf, wenn er Nachbars Lumpi begegnet. Zumindest ER ist konsequent. 

Für mich steht daher stets die Natur, die als Vorbild dienen sollte, im Vordergrund. Denn, was die Natur über tausende von Jahren an Erziehungsmodellen entwickelt hat, war offensichtlich erfolgreich. 

Erziehung findet in der Natur zu einer Zeit statt, wo wir Menschen noch gar nicht damit rechnen. So auch bei Wölfen und eben auch bei unseren Hunden (jeder gewissenhafte Züchter wird das bestätigen). Die Welpen werden ganz nebenbei mittels Spiel und Tabuisierungen und mit Konsequenz auf ihre späteren Aufgaben in der Rudelfamilie vorbereitet. Diese Erziehung ist schon recht bald abgeschlossen, denn die Sprache unter Artgenossen und im gewachsenen Familienrudel ist vollkommen klar und eindeutig. Es bedarf nur einiger deutlicher „Hinweise“ von den älteren Familienmitgliedern und  „Klein Fritzchen“ ist bald belehrt. Darum sind auch sogenannte aggressive Verhaltensweisen innerhalb der Rudelfamilie später kaum noch nötig –  weil die Regeln bereits ganz früh geklärt wurden. 

Wenn wir Menschen mit unseren Junghunden mit 6 Monaten in eine Hundeschule gehen, wäre in der Natur schon alles vorbei mit der Erziehung…Das heißt aber natürlich nicht, dass nun für alle Hundehalter der Zug abgefahren ist, weil sie den „natürlichen Zeitpunkt“ verpasst haben. Mit den Erziehungsmethoden der Natur (Spiel, Konsequenz, Tabuisierung) kann man jederzeit alles Wichtige nachholen, wenn man es für den Hund verständlich kommuniziert.